6. April 2012

im licht betrachtet finden wir uns auf knien

Bis das Hirn nur noch Matsch ist. Bis dir das alles aus den Poren tritt und dich von Kopf bis Fuß einhüllt, bis du vergessen hast, was vorher war und später noch passieren wird, bis du darin einfach zerfließt, dich auflöst, schweigend am Ende, blind und taub mit Federn im Haar und keinem Wind auf der Haut. In deinem Kopf drehen die Dinge Kreise und lassen nicht locker, schlecht schlafen gehört dazu und dieser Hunger nach Ablenkung ist groß wie deine Zweifel und dieses dir innewohnende Vertrauen, dass am Ende doch alles gut gehen wird irgendwie.

13. September 2011

ver|strickt

Was macht mich zum Menschen – der Wille zum Wollen oder das Wollen zum Willen, frag ich mich und schwanke auf offener See. In dieser Nussschale meiner Gedanken, die zwar den Horizont zur Weite macht, mein eigenes Leben aber mit jedem salzigen Atemzug enger, sitze ich und sende Hilferufe an einen Unbekannten.

5. Juli 2011

luft|schiff

Mir scheint, es hat sich ein Knoten gebildet in dir, ein Knoten so groß wie dein Herz und er schnürt dir das Lachen ab. So bleibt es im Hals stecken, wo obendrein ein Kloß sitzt, der dir das Atmen schwer macht. Ich fürchte um dich, fürchte, dass deine Schutzschicht das alles nicht mehr halten kann, weil es zu viel ist, viel zu viel und du zerspringen wirst in tausend Scherben, die sich nicht kitten lassen. Wenn du dir nicht Luft machst hin und wieder wirst du meilenweit davontreiben irgendwann wie ein Luftschiff über dem Meer, hilflos und blind, angetrieben durch all das Schwelen und Brodeln in dir, ein Windhauch von außen reicht aus.

Dämme müssen brechen, damit Fruchtbarkeit über das Land kommen kann.

22. Juni 2011

un|verbindlich

Früher wollte das Frühlingsmädchen nie wissen. Jetzt ist es älter geworden und die Uhr tickt laut, die Tage und Jahre vergehen wie Luftpostliebesbriefe an den Liebsten, der auf einer stürmischen Insel sitzt und auf Schönwetter wartet, während am Ufer die Aufwartungen salzverzehrt sterben.
Die Sonnenbrille beschlägt vom heißen Atem der Unverbindlichkeit und wir lachen, bis uns die Realität die Kehle zuschnürt. Alltag ist grau, dachte das Frühlingsmädchen, Alltag muss grau sein. Aber Alltag ist das, was uns am Leben hält, wenn man das Nichtwissenwollen eintauscht gegen die wohligwarme Umarmung des Zugeständnisses zu einem fremden Menschen, der einem so fern wie die Sonne an einem Gewittertag ist und so nah wie die Regentropfen auf der eigenen heißen Haut.
Lass mich wissen, Liebster, damit ich nicht dumm sterben muss vor Sehnsucht.

29. Januar 2011

gestiefelter|kater

Aufwachen neben dem Frühlingsmann und den Kater nach dieser Nacht erst spüren, wenn man die eigene Wohnung betritt.

Kein Zuhause haben an den Wochenenden. Ich brauche eine größere Handtasche.