11. Juni 2013

ob der doppelte boden unsere wahrheiten trägt

Wir wünschen uns Einfachheit und bekommen Panik beim ersten Anzeichen von Langeweile. So kann das nicht weitergehen, schreit es im Kopf und im Bauch grummelt die Angst vor sich hin; wie sollen wir mit diesem Klumpen im Gedärm leben und wie mit den ganzen flattrigen Flausen im Kopf, wenn doch die Knie weich werden bei einem Lächeln und die Schultern sich nie richtig lockern. Hoffen in zwei Richtungen, Fürchten aber auch – genau so ist das im Leben, genau so bist du eben, da drin, ganz klein irgendwo zwischen Kissen und Decken versteckt und da draußen irgendwo, turmhoch im Sturm mit der Nase im Wind.

19. Januar 2013

zwischen den zeiten

Und dann stelle ich mir vor, wie du lächelst, da drüben, am anderen Ende der Leitung. Wir sind so modern heutzutage, dass wir das als normal empfinden, dieses Voneinandergetrenntsein mit dieser dennoch stetigen Nähe; räumlich getrennt sein, das kennen wir von damals, das ist nichts Neues, dass wir uns nur in Gedanken nah waren, aber früher, da haben wir zur Überbrückung das Telefon in die Hand genommen, mit Kabel daran und mit dem Wissen, dass die gesamte Familie für die nächsten zwei Stunden nicht erreichbar ist. Heute aber, da bist du immer da irgendwie, da kommt eine Nachricht, während ich im Büro sitze oder beim Kaffee am Küchentisch oder wenn ich im Bett liege oder unterwegs bin, heute sind wir uns alle viel näher und doch irgendwie viel weiter voneinander entfernt. Weil wir uns über das Netz irgendwie die Zeit überbrücken können zwischen vorgestern und morgen, zwischen einem Kuss und dem nächsten, zwischen uns und unserer Sehnsucht; das macht nichts weiter, das wundert nur, dass ich trotz allem schon nach fünf Stunden ohne Nachricht von dir das Gefühl habe, es nicht eine Minute länger aushalten zu können, das wundert, weil ich mich frage, wie wir das eigentlich ausgehalten haben, als wir noch Teenager waren und die Telefone verkabelt und die Entfernungen so unglaublich groß.

10. Januar 2013

pandora hat die nase voll

Ich habe keine Ahnung, wie das gehen soll, mit uns, also mit uns allen, mit den Menschen um dich herum, die zappeln und strampeln und um sich treten, weil sie alle ständig auf der Suche sind nach irgendwas, im schlimmsten Fall nach sich selbst. Während ich hier sitze und alles so endlos kompliziert ist, dass ich schon beim Gedanken daran die Lust verliere und sitzen bleibe, anstatt mal aufzustehen und etwas zu unternehmen, und wenn es nur mal ein Lächeln für dieses Neue Jahr ist, oder ein Lächeln für mich selbst vielleicht, wär ja mal was, so ein entspanntes Yoga-Lächeln, einfach mal so. Aber da kommen mir immer diese endlosen Probleme in den Kopf, dieses endlose Rumgekotze über ungeöffnete Boxen der Pandora, weil man immer so viel Schiss mit sich rumträgt und so viele Altlasten, so viel vermurkstes Zeug, das dir den Tag verdirbt und die Milch sauer werden lässt. Dann trinke ich also meinen Kaffee schwarz und heiß, verbrüh mir die Zunge daran und ja, was soll das schon, wie oft hab ich mir schon die Zunge verbrannt, lieber also am Kaffee als an unveränderlichen Umständen; ich werde träge, hergottnocheins, träge und dösig und taub wie die Welt.

4. Januar 2013

lass mich/dich gehen

So aneinandergeschmiegt wird die Welt kleiner, weniger erschreckend und wir ein bisschen mehr Mensch. Mehr Freiheit gibt es nicht, mehr Ich kann ich nicht sein und du vielleicht auch nicht mehr Du, als hier und jetzt unter all diesen Umständen, die man sich selber im Kopf zurechtpflückt und hegt und pflegt und manchmal auch einfach zu sehr wässert. Mögen manche das als seltsam empfinden, dieses Rhizom aus Gedanken abseits jeder Linearität, mögen sie sich an den Kopf greifen und auf die Zukunft verweisen; was nützt mir, was kommen mag, wenn ich im Jetzt leben kann, was soll morgen schon sein und warum greifen wir ständig auf irgendein seltsames Gestern zurück, um uns Dinge zu erklären, die sich nicht erklären lassen, weil nichts sich wiederholt, weil es immer irgendwie anders ist und dieses Mal eben du darin und ich und dieses Aneinanderschmiegen und die Vorstellung, eines Tages nicht alt und einsam sterben zu müssen, sondern bei Freunden das Leben ausklingen zu lassen mit Rotwein und Schmerzmitteln und einem Lächeln auf den trockenen Lippen.

3. Januar 2013

mit tanzenden händen

Wir warten nicht mehr, das Warten haben wir aufgegeben, lange schon, zu lange, um sagen zu können: nur ein Weilchen. Ein Weilchen, ein kleines bisschen nur, das war früher einmal, als wir noch dachten, dass das alles schnell wieder vorbei sein wird, dass es nur mal kurz eine Durststrecke ist, eine kurze Zeit, die wir uns vertreiben können mit Sommer und Sonne, mit Wind im Haar und Kuchen im Bauch, einen Lidschlag lang eben mal nicht im Höhenflug schweben. Mit den Tagen und Nächten wurden unsere Schritte schwerer und schwerer, die Füße immer mehr zu Beton und die Gedanken erst recht. Und eines Morgens dann wachten wir auf und stellten fest, dass uns etwas an den Boden gekettet hat, dass uns etwas das Fliegen verweigerte, das Schweben und Taumeln und Loslassen, eines grauen Morgens kam mit dem Aufwachen die Erkenntnis. Oha, dachte ich, oha – während draußen eine Meise sang und ich die Hoffnung nicht aufgab.

26. Oktober 2012

ich, das sind immer die anderen

Uns Rumtreiben, das können wir. Uns so lange beschäftigen, bis die Gedanken einfach schweigen und nachts dann alles über uns hereinbricht, in einem Donnerwetter im Kopf und mit der Schwere eines vergessenen Lächelns. Dann wälzen wir uns als Bettdeckenwurst hin und her, bis in der Matratze eine Kuhle entsteht, in der wir uns verstecken wollen vor dem Bösen der Welt, aber die Katze maunzt so jämmerlich, dass wir uns irgendwann doch auf- und die wirren Gedanken zusammenraffen. Da lacht der Tag und der Kühlschrank ist leer wie dein Bauch, Hauptsache Kaffee und Milch ist da, es sind die einfachen Dinge, die uns am Leben halten und die komplizierten, die uns den Kick in die Fresse geben; hallo Welt, ich hab noch nicht aufgegeben, bekomme ich jetzt einen Fleißstern? aber die Welt lächelt nur grau und faltig, während die Katze auf deinem Schoß schnurrt und schnurrt und schnurrt, kuschelwarm weich und du formulierst in deinem angeschlagenen Kopf die erste Wahrheit des Tages:  für wen machen wir das eigentlich, wenn nicht für die anderen.

5. Oktober 2012

gerade mal nicht, aber wer weiß

Dann wünschst du dir diese verkackte Liebe zurück, dieses Taumelgefühl mit dem breiten Grinsen und dem noch breiteren Unwissen, das da immer so mitschwingt, dieses Schalala und Schubidu und nix passiert. Trott, sagst du, Trott und Alltag ist ja auch mal ganz schön, während irgendwo ein Sack Reis umfällt und eine Krähe keckert; du willst eine Explosion und alles, was du in dir drin spüren kannst, ist dieses Plopp und ein bisschen Wärme.
Eigentlich gar nicht mal schlecht.

3. Oktober 2012

nicht doch, nicht. oder doch.

Ein paar Tage hältst du das Alleinsein aus, sehr gut sogar, zu gut vielleicht, der Antrieb ist kaputt, irgendein Kabel ist durchgeschmort, manch einer nennt das Depression aber wir halten uns über Wasser mit Ablenkung. In solchen Zeiten merkst du dann, wen du eigentlich _wirklich_ gerne sehen würdest, oder besser: wen du nicht sehen magst; keine zwölf Pferde bringen mich vom Sofa, meine Ausrede hat Hand und Fuß und eine Erkältung, die ist gut gegen Gesellschaftsüberfluss und für Nachdenkzeit, für das Sondieren von Wichtigkeiten und das Runterkommen vom ewigen Tanzen auf zu vielen Festen, ich mag diese Ruhe ja, und damals, da hat einer gesagt: das bist doch gar nicht du, du bist doch gar nicht so, und er hat sich irgendwie mal nicht geirrt dabei, weil ich das ewige Getanze satt habe. Wär trotzdem ganz schön, wenn irgendjemand da wäre. Und sei es auch nur, um mich daran zu erinnern, dass es mich gibt.

26. September 2012

wir bauen uns gefängnisse aus missverständnissen

Wie verwirrt wir manchmal durch die Gegend steuern, weil der Kopf nicht klar bekommt, dass das Herz sich überschlägt; wie blind wir sind oder besser: wie vernebelt der Blick ist, weil alles durcheinander gerät durch Winzigkeiten und deine eigene Angst. Dann stehst du im Fokus und rutschst aus ihm heraus, bis du nur noch im Hintergrund herumhampelst und dein Verstand von den ganzen Emotionen übertölpelt wurde. Triumphierend machen sich deine Gefühle über die Situation her und plündern die Regale deiner Gedanken, dir bleibt nur, schweigend zuzusehen, weil du entwaffnet wurdest von einem Falschspieler, weil du zu schwach bist gegen die Macht deiner Furcht und die Apokalypse eh schon da ist, was willst du noch kämpfen, du bist es leid und müde bist du auch. Nach der Schlacht dann bist du verwundet und stumm, nach der Nacht bist du verletzt und sprachlos, bis diese verkackte Hoffnung um die Ecke kommt, zu spät, wie immer, aber gerade noch rechtzeitig.

19. September 2012

auf dem dachboden trocknet das herz

Wenn die Sonne untergeht, haben wir das doppelte Gewicht und unsere Beine tragen uns kaum. Nicht dich, nicht deine Wunden und auch nicht die Zweifel, aber was macht das schon, vom Zusammenbruch sind wir weit entfernt, so weit, dass am anderen Ende unserer Gedanken noch Mittag ist, während hier der Abend über uns rollt wie ein Einschlaflied. Wir sind weder nachtblind noch tageslichttrunken, nur etwas verwirrt ob der Tatsache, dass nichts uns aus der Bahn wirft.