11. Juli 2013

und dann so, einfach mal so

Aufwachen und alles ist anders, du machst die Augen zu-auf-zu-auf aber es ändert nichts. Ist ja nicht schlimm, denkst du zuerst, ist ja nicht schlimm, nur eben neu, nur eben ein bisschen freakig so, aber hey, freakig kennen wir ja. Und dann kommt plötzlich die Erkenntnis in dein Hirn geschwappt, dass es mit einem einfachen Schulterzucken diesmal nicht getan ist, dass etwas in dir sich gewaltig verändert und damit auch alles drumherum; nein, aufzuhalten ist das nicht, aufhalten willst du das auch gar nicht, nur musst du eben ein bisschen Zeit aufwenden, um das alles im Ausmaß zu verstehen. Im _ganzen_ Ausmaß, mit diesem umfassenden Oha! und ohne dein übliches Getue von Wird-schon-irgendwie. Zack, voll getroffen my dear, komm, ruh dich ein bisschen aus, lass die Wunden ein wenig bluten und nutz die Zeit, um Kraft zu sammeln oder Mut, im besten Fall beides.

11. Juni 2013

ob der doppelte boden unsere wahrheiten trägt

Wir wünschen uns Einfachheit und bekommen Panik beim ersten Anzeichen von Langeweile. So kann das nicht weitergehen, schreit es im Kopf und im Bauch grummelt die Angst vor sich hin; wie sollen wir mit diesem Klumpen im Gedärm leben und wie mit den ganzen flattrigen Flausen im Kopf, wenn doch die Knie weich werden bei einem Lächeln und die Schultern sich nie richtig lockern. Hoffen in zwei Richtungen, Fürchten aber auch – genau so ist das im Leben, genau so bist du eben, da drin, ganz klein irgendwo zwischen Kissen und Decken versteckt und da draußen irgendwo, turmhoch im Sturm mit der Nase im Wind.

24. Januar 2013

etwas pflügt sich durch uns hindurch

Dann spürst du es, irgendwie innendrin, ganz klein und still und mit dieser Ruhe vor dem Sturm lungert es in deinem Herzen herum und macht seltsame Dinge mit dir. Und du freust dich darüber, weil du endlich mal wieder abhebst und ein bisschen herumschwirrst, wie eine betrunkene Hummel, wie ein Kolibri auf Speed – und hey, der Trip ist einer der besseren, einer der guten, einer, auf den du lange gewartet hast.

22. Januar 2013

die timeline hat schluckauf

Manchmal fürchte ich, du könntest nur in meinem Kopf existieren, könntest eines dieser Hirngespinste sein, die man eben so mit sich herum trägt wie Tagträume und Schutzschilder und Demoplakate gegen die Ungerechtigkeit der Welt, manchmal fürchte ich mich und manchmal fürchte ich dich und das, was zwischen uns passiert, ob nun tatsächlich oder vielleicht auch nur in meinen Gedanken, ich weiß das hin und wieder nicht zu sagen. Dann wieder ist dein Kuss so real und dein Lächeln und dein Geruch, der an mir hängt und den ich festhalten will mit Inbrunst und ein bisschen Wut, die vielmehr Angst ist, als sonst irgendetwas; dein Duft und dein Lächeln und deine Hände in meinem Nacken, ich will sagen: da gehören sie hin, genau da gehören sie hin, doch dann schlägt die Realität zu und holt mich auf den Boden der Tatsachen zurück, ins Hier und Jetzt – du nicht da, dein Lächeln in meinem Kopf und deine Hände weißgottwo, du nicht da, dein Lächeln in meinem Kopf und meine Gefühle weißgottwo, in einem Traum, durchgeschüttelt von Emotionen.

19. Januar 2013

zwischen den zeiten

Und dann stelle ich mir vor, wie du lächelst, da drüben, am anderen Ende der Leitung. Wir sind so modern heutzutage, dass wir das als normal empfinden, dieses Voneinandergetrenntsein mit dieser dennoch stetigen Nähe; räumlich getrennt sein, das kennen wir von damals, das ist nichts Neues, dass wir uns nur in Gedanken nah waren, aber früher, da haben wir zur Überbrückung das Telefon in die Hand genommen, mit Kabel daran und mit dem Wissen, dass die gesamte Familie für die nächsten zwei Stunden nicht erreichbar ist. Heute aber, da bist du immer da irgendwie, da kommt eine Nachricht, während ich im Büro sitze oder beim Kaffee am Küchentisch oder wenn ich im Bett liege oder unterwegs bin, heute sind wir uns alle viel näher und doch irgendwie viel weiter voneinander entfernt. Weil wir uns über das Netz irgendwie die Zeit überbrücken können zwischen vorgestern und morgen, zwischen einem Kuss und dem nächsten, zwischen uns und unserer Sehnsucht; das macht nichts weiter, das wundert nur, dass ich trotz allem schon nach fünf Stunden ohne Nachricht von dir das Gefühl habe, es nicht eine Minute länger aushalten zu können, das wundert, weil ich mich frage, wie wir das eigentlich ausgehalten haben, als wir noch Teenager waren und die Telefone verkabelt und die Entfernungen so unglaublich groß.

16. Januar 2013

im mondlicht gehört der tag uns

Wenn es dunkel wird, wenn die Nacht an mein Fenster klopft und die Stille, wenn die Heldengeschichten beginnen und die Märchen, wenn du bei mir bist. Wie ein Traum, aus dem man nicht aufwachen möchte, dem man nachspürt, den man festhalten will und nicht kann; du bringst mich auf seltsame Gedanken und an gläserne Orte. Nachts ist die Sonne ja nur auf der anderen Seite der Welt, denke ich und wünsche mir, das Beamen wäre endlich erfunden, nur um dichmichuns ans Licht zu bringen; eine Tageslichtlächeln in diesem Winter, der ein Frühling ist mit dir darin.

10. Januar 2013

pandora hat die nase voll

Ich habe keine Ahnung, wie das gehen soll, mit uns, also mit uns allen, mit den Menschen um dich herum, die zappeln und strampeln und um sich treten, weil sie alle ständig auf der Suche sind nach irgendwas, im schlimmsten Fall nach sich selbst. Während ich hier sitze und alles so endlos kompliziert ist, dass ich schon beim Gedanken daran die Lust verliere und sitzen bleibe, anstatt mal aufzustehen und etwas zu unternehmen, und wenn es nur mal ein Lächeln für dieses Neue Jahr ist, oder ein Lächeln für mich selbst vielleicht, wär ja mal was, so ein entspanntes Yoga-Lächeln, einfach mal so. Aber da kommen mir immer diese endlosen Probleme in den Kopf, dieses endlose Rumgekotze über ungeöffnete Boxen der Pandora, weil man immer so viel Schiss mit sich rumträgt und so viele Altlasten, so viel vermurkstes Zeug, das dir den Tag verdirbt und die Milch sauer werden lässt. Dann trinke ich also meinen Kaffee schwarz und heiß, verbrüh mir die Zunge daran und ja, was soll das schon, wie oft hab ich mir schon die Zunge verbrannt, lieber also am Kaffee als an unveränderlichen Umständen; ich werde träge, hergottnocheins, träge und dösig und taub wie die Welt.

8. Januar 2013

hinter den lidern ist stille

Zwischen Sehnsucht und Zuhause, zwischen meinen Laken und den Kaffeetassen auf dem Küchentisch, zwischen dir und mir und der Leichtigkeit unserer Gegensätze, dazwischen ist immer noch Platz für ein Lächeln. Grund genug, nichts zu fürchten, Grund genug, sich nicht den Kopf zu zerbrechen; vielleicht ist es ganz genau das, was mich dir nahe bringt.

4. Januar 2013

lass mich/dich gehen

So aneinandergeschmiegt wird die Welt kleiner, weniger erschreckend und wir ein bisschen mehr Mensch. Mehr Freiheit gibt es nicht, mehr Ich kann ich nicht sein und du vielleicht auch nicht mehr Du, als hier und jetzt unter all diesen Umständen, die man sich selber im Kopf zurechtpflückt und hegt und pflegt und manchmal auch einfach zu sehr wässert. Mögen manche das als seltsam empfinden, dieses Rhizom aus Gedanken abseits jeder Linearität, mögen sie sich an den Kopf greifen und auf die Zukunft verweisen; was nützt mir, was kommen mag, wenn ich im Jetzt leben kann, was soll morgen schon sein und warum greifen wir ständig auf irgendein seltsames Gestern zurück, um uns Dinge zu erklären, die sich nicht erklären lassen, weil nichts sich wiederholt, weil es immer irgendwie anders ist und dieses Mal eben du darin und ich und dieses Aneinanderschmiegen und die Vorstellung, eines Tages nicht alt und einsam sterben zu müssen, sondern bei Freunden das Leben ausklingen zu lassen mit Rotwein und Schmerzmitteln und einem Lächeln auf den trockenen Lippen.

3. Januar 2013

mit tanzenden händen

Wir warten nicht mehr, das Warten haben wir aufgegeben, lange schon, zu lange, um sagen zu können: nur ein Weilchen. Ein Weilchen, ein kleines bisschen nur, das war früher einmal, als wir noch dachten, dass das alles schnell wieder vorbei sein wird, dass es nur mal kurz eine Durststrecke ist, eine kurze Zeit, die wir uns vertreiben können mit Sommer und Sonne, mit Wind im Haar und Kuchen im Bauch, einen Lidschlag lang eben mal nicht im Höhenflug schweben. Mit den Tagen und Nächten wurden unsere Schritte schwerer und schwerer, die Füße immer mehr zu Beton und die Gedanken erst recht. Und eines Morgens dann wachten wir auf und stellten fest, dass uns etwas an den Boden gekettet hat, dass uns etwas das Fliegen verweigerte, das Schweben und Taumeln und Loslassen, eines grauen Morgens kam mit dem Aufwachen die Erkenntnis. Oha, dachte ich, oha – während draußen eine Meise sang und ich die Hoffnung nicht aufgab.