25. März 2012

über den dächern wird uns das herz eng

Weit siehst du und doch nur bis ins eigene Herz, da kann uns das Dach der Stadt auch nicht helfen und die Musik nicht und dieser Frieden hier oben. In Gedanken wandere ich auf der Brüstung entlang, ohne Halt vor dem langsam dunkler werdenden Himmel, es ist Platz für uns beide hier; wenn wir eng aneinander geschmiegt gehen, kann uns nichts passieren. In meinem Kopf formen sich Bilder vom Fliegen und Freisein und für einen ganz kurzen Moment denke ich: jetzt springen, das wäre es, jetzt, wo alles so gut ist und mein Herz voller Liebe und Inspiration, heute im unbändigen Sonnenschein, hier, wo es kaum noch besser sein kann, mit diesem unfuckingbelievable Gefühl von Stärke, mit dir im Kopf und den Geistern weit hinterm Horizont, ein Schritt nur, denke ich, einmal auf das Geländer steigen und auf der anderen Seite einfach vergehen, glücklich für immer. Später lese ich deine Nachricht, die du ungefähr zur gleichen Zeit geschrieben hast, wo bist du, hast du gefragt, während ich all meinen Mut am Geländer zusammennahm und einen Schritt rückwärts ging und damit einen Schritt vorwärts, einen Schritt auf dich zu in diesen Frühling Zwozwölf, auf den Lippen eine Warnung vor dem Sommer.

Kommentare (7)

  1. 26. März 2012
    M sagt...

    war aber auch schon lange
    „fällig“
    eine Warnung
    die Warnung
    aber an wen?
    an dich, an den?
    an alle?
    oder ist es nur
    beiläufig
    balancierend
    auf Geländer
    und Balkon
    der Ausdruck – na
    du weißt es schon –
    der gottverdammten
    Einsamkeit der Existenz
    das Ausatmen
    der Winterpestilenz
    Ist es für alle
    am Ende nur die
    Frühlingsfalle

    vor der
    du warnst
    mit Sommer …
    Schlau, diskret
    ganz indirekt
    mit dem Insektenintellekt
    einer Gottes-
    anbeterin
    … dass du
    umgarnst
    und dann die Kralle …
    Sag doch
    wovor du warnst

  2. 26. März 2012
    Fruehlingsmaedchen sagt...

    Wir warnen und warten, manchmal zu lange, wir warnen und grübeln und bleiben stehen dabei wie verschrockene Rehe im Fernlicht der Möglichkeiten, wir warnen uns und die anderen viel zu oft. Drauflosleben, drauf und dran sich anzu/vertrauen, draufgeschissen auf die Ängste und doch: im Hinterkopf der Sommer und mit ihm der Herbst, der Winter ein Drohen am Horizont, wie wäre es, wenn es ewig Frühling wäre, könnten wir überhaupt umgehen damit, wer weiß das schon, die Gottesanbeterin nicht, das Dach der Stadt nicht, ich nicht, vielleicht ja der Frühling selbst.

  3. 26. März 2012
    Mo sagt...

    In meinem Herzen trage ich seit einiger Zeit die Warnung mit mir herum. Es ist nicht nur eine Warnung vor dem Sommer, sondern gleichzeitig eine Warnung vor dem Leben.

    Dort steht: „Pass auf wem du die Zeit schenkst, die es zu verbrauchen gilt.“

    • 26. März 2012
      M sagt...

      wüsste nicht wie Zeitverschenken geht …
      funktioniert doch allenfalls als dumme Ausrede für die eigene Unfähigkeit, sich auf etwas einzulassen, das sich Ich nennt …

      • 26. März 2012
        Mo sagt...

        Zeit verschenken im Sinne von Kompromissen, die man natürlich mit sich selbst, aber meist auch für jemand andere schließt.

  4. 26. März 2012
    Fruehlingsmaedchen sagt...

    Zu sehr auf-passen heißt am Ende manchmal ver-passen, das ist ja das fiese. Dass man nicht in die Zukunft sehen kann, um gleich jetzhierheute zu wissen, ob es sich lohnt, ob es schön wird, ob es wehtun wird oder töten.

  5. 26. März 2012
    M sagt...

    die Angst
    die eine und doch
    doch, doch, doch
    es gibt nur eine
    eine, die namenlos ist
    alles andere sind befürchtungen,
    denen selbst Kinder schon aus dem Weg gehen
    wenn sie über pfützen springen

    manche freilich tun das nicht
    und findes es aufregend
    mit Recht

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