26. November 2011

jungsmusik

Ich habe vier Männer geküsst in dieser Nacht, vier Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten und jeder Kuss war eine Wahrheit und eine Lüge zugleich. Ich bin ein Kussmädchen, unbändig, taumelnd von einem Lippenpaar zum nächsten und nichts ist mir genug, ich will immer noch mehr, die Sehnsucht zerfrisst mich, in meinem Kopf ein wildes Chaos und in meinem Bauch diese Leere. Wäre ich betrunken gewesen, hätte ich eine Ausrede, wärst du nicht betrunken gewesen, hättest du innegehalten und dich nicht berühren lassen von dieser seltsamen Frau, die dir Märchen erzählt und in die man sich verlieben kann, irgendwie, aus Versehen nur, unbändig, ein Nachtmädchen, biertrinkend, Jungsmusik. Ein Leben wie eine kalte Pizza ist das, nur in Notfällen genießbar und du mittendrin, eine Pepperoni auf der Zunge und Oregano im Haar, schwarze Oliven zwischen den Zehen und dieser knusprige Rand, der hart geworden ist über Nacht; du beißt dir die Zähne aus daran. Glaub mir, ich bin eine Frau für einen Abend, für fünf Bier und ein paar Schnäpse, ein Mädchen wider Willen, zum Küssen und Träumen, aber das Erwachen ist schal. Das sind die langen Nächte in dieser kleinen Stadt, die man herumbringt und doch allein aufwacht, weil man diese Kälte und die vielen Fragen im eigenen Bett am nächsten Tag nicht ertragen würde, das sind die kalten Füße auf dem Parkett deiner Sehnsucht, die steifgefrorenen Finger am Hals deiner Existenz.

Verliebt euch, seid stark und klug und voller Charme, um dieser Frau zu zeigen, dass ihr stark seid wie sie. Sie ist es nicht, ihr täuscht euch und was ihr Liebe nennt ist Bewunderung. Ja, bewundert die Scherben meiner Welt, wie sie da vor der Bar zwischen den Scherben der Nacht liegen, wie ich darübertanze mit nackten Füßen, meiner angekratzten Moral und dem Kopf in den Wolken, ich verstehe zu wenig von Diplomatie, um zurückhaltend zu sein, zu wenig von Nähe, um ehrlich zu sein, zu wenig von mir selbst, um zu lügen.

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