10. November 2011

ent|blättert

Das ganze zertretene Laub auf dem Gehweg, die kleinen Fetzen der Blätter, von Highheels und Turnschuhen zermahlen, von Herrenschuhen pulverisiert und von fleißigen Asphalt-Schlurfern zu Häufchen drapiert, die der Novemberwind nicht mehr hoch in den Himmel tragen, sondern nur noch müde als Staub auf deinem Weg verteilen kann, dieser Dreck, denkst du, dieser Dreck im November, das macht mich wahnisnnig und der Ahorn auch, mit seinem Dahinsterben, der macht es sich einfach, weil er weiß, dass das gar kein Sterben ist, vielmehr ein Schlafen und dann im Frühling wieder aufwachen. Du fröstelst und bist dir derzeit an keinem Abend sicher, ob du auch wieder aufwachen wirst irgendwann. Vielleicht ja im Frühling, flüstert der Ahorn und du schaust nur müde zu ihm hoch, während du unter deinen Füßen seine abgeschüttelten Blätter zertrittst. Manchmal ist es unmöglich, an Frühling zu denken, wenn dein Herz kalt wie Novemberregen ist.

9. November 2011

dunkel|bunt

Nachts dann, wenn die S-Bahnen nur noch mit Verspätung fahren und dir das egal ist, weil es auf die paar Minuten nun wirklich nicht mehr ankommt. Nachts dann, wenn du frierst unter dem weiten Himmel, wenn die Füße schmerzen und das Herz, hast du die vage Vermutung, es könnte nie wieder Tag werden
Deine Träume ein Spiegelbild deiner Ängste, deine verquollenen Augen am Morgen ein Spiegelbild deiner selbst.

7. November 2011

head|less

there's something in my head and I can't catch it

 Wie das Leben so Dinge treibt mit uns und wir dabei manchmal einfach mal innehalten müssen, um nicht davonzufliegen.

5. November 2011

höhen|züge

Mit dem Kopf in den Wolken und dem Herz auf dem Asphalt; setzt vorsichtig Fuß um Fuß, damit du nicht drauftrittst. Zum ersten Mal seit Monaten fühle ich mich ein kleines bisschen ganz und muss lächeln, als ich dich da stehen sehe: so einfach du, mit dem Kopf auf dem Asphalt und dem Herz in den Wolken. Wie verschieden Welten sein können in dieser Welt, wie unterschiedlich Leben sein können in diesem Leben; ich werde das nie begreifen, wie man so aneinander vorbeischrammen kann mit all dieser Nähe und der ganzen Ferne darin, wie man einander sieht und doch nicht erkennt. Was macht das mit uns und unseren Herzen, dieses Nebeneinander statt Füreinander, dieses Hinsehenwegsehen, Zuwendenabwenden, was macht das schon in Zeiten wie diesen, wenn du die Nase in den Nachthimmel steckst und die Hände unter die Achseln, wenn dir die Kälte der Straße durch die dünnen Schuhsohlen kriecht und du trotzdem nicht gehen willst, aber musst, weil sonst dein Herz brechen könnte. Immer an dieser Grenze entlang schlenderst du, auf der Mauerkante gehst du spazieren und pfeifst Lieder, von denen du hoffst, dass sie endlich einer versteht irgendwann.

3. November 2011

wind|wärts

Am Bahngleis stehst du wie all die anderen, ob sie nun fort oder heim wollen, manchmal weiß man es nicht zu sagen; die Gesichter versteinert vom ewigen Warten, wenn auch nur innendrin. Die Warnung vorm durchfahrenden Zug lässt alle zurücktreten, keiner will irgendwo einfach nur durchfahren, alle wollen irgendwo ankommen, das ist das Credo unserer Zeit. Du aber bleibst stehen, so nah am Bahnsteig, wie es der gesunde Menschenverstand gerade eben noch zulässt; stell dich der Angst des Fahrens ohne Halt, es ist wie Meeresrauschen und Wetterleuchten, wie Ferne Schauen und Flügelschlagen, ein Güterzug voller Emotionen. Geschlossenen Augs schaust du den Wind, der dir die Kleider tanzen lässt und deinem Haar das Fliegen lehrt, die paar Sekunden nur und ein Leben lang Sehnsucht.