9. September 2011

um|graben

Mein Garten ein Schlachtfeld
barfuß und unbewehrt
zerkratzen die Brombeeren
süß deine Haut

Unordnung in den Beeten
du ohne Werkzeug
hier tragen die Rosen
ihre Dornen mit Angst

Schau doch wie
kräftig die Disteln blühn
und auch der Klatschmohn
ein Unkraut doch
schön wie das Leben

gib Wasser und Weite
auf die Dürre und Enge
verlasse die Wege

ein Garten
braucht seinen Gärtner
 

8. September 2011

patho|logie

Es ist ein Spagat. Zwischen dir selbst und deinen Dämonen, zwischen deiner Schutzlosigkeit und den Masken und Mauern, deinen vielen Gesichtern. Zwischen Festhalten und Loslassen, Einfordern und Erbitten, drehst du dich letztlich im Kreis um dich selbst, verlierst den Verstand beim Versuch, deine eigene Welt zu verstehen. Du schüttelst den Kopf und gehst, während ein Teil von vielen deiner Selbst auf dem Seziertisch liegen bleibt, weil du zu schwach bist, um am offenen Herzen zu operieren.

Müden Schrittes geh ich nach Hause, mein Kopf ein Gefängnis, mein Wärter die Angst.

6. September 2011

flecht|werk

So viele Fäden verwoben in diesem dünnen Tuch und alle lösen sie sich vor meinen Augen voneinander. Als hätte einer den Lauffaden durchschnitten, trennt sich Masche um Masche auf, zerfällt der Stoff in wildem Chaos, unhaltbar. Ich bekomme das alles nicht unter Kontrolle, halte ich einen Faden fest, verliert sich zeitgleich ein anderer, wie ein Strudel ist das, du tauchst ein und nie wieder auf, atemlos, haltlos, einzig ein Knoten kann dich noch retten. Ein Knoten im Gewebe aber wäre ein Grund für den Schlussverkauf, ein Makel; auf dem Wühltisch liegst du und leidest.

3. September 2011

über|bord

Und dann holt es dich immer wieder ein, greift dir eiskalt in den Nacken und macht aus einem Abend voller Musik ein tränenreiches Spektakel. Während du versuchst, dich zu verstecken, dich wegdrehst und die Schultern bis zu den Ohren hochziehst, um ganz zu bleiben und den Blicken standzuhalten, bahnt sich das Chaos den Weg einfach selbst, ungeachtet deines Willens, ungeachtet deines Wollens. Ein Spielball deiner eigenen Emotionen bist du und ja, wir sollten mal wieder Kaffee trinken gehen und ja, ich werde wieder nur schweigen darüber und schluckenschluckenschlucken, bis irgendwann der Kopf platzt und diese Seifenblase aus Stabilität, die mich im Alltag hält.

Er spielt dieses Lied und ich kann nicht mehr stillhalten, ich weiß, dass es Routine ist da oben auf der Bühne, aber mich hier unten im Publikum überrollt ein Sturm; vom Donner gerührt bin ich, mein Herz bleibt eine Sekunde stehen und ein Standbild wie vom Blitz erhellt frisst sich in meinen Kopf, brennt sich in mein Herz und in mein Leben, gesellt sich zu den anderen Standbildern, zu der Fotogalerie meiner Erinnerungen an dich, großformatig auf weißer Wand. Bald ist da kein Platz mehr. So viele Bilder.

2. September 2011

fassaden|klettern

Auf unsicheren Boden bewegst du dich. Neuer Job, neue Menschen, neue Erwartungen – aber neu erfinden wirst du dich dennoch nicht. Innendrin bleibt es gleich, innendrin sieht es aus wie immer, ein bisschen Hilflosigkeit und Chaos und Selbstzweifel, das übliche Geschmodder an Gedankenmüll und Gefühlsduselei. Wohin damit, wenn du nicht einmal weißt, wo der Reisswolf steht im neuen Büro?

1. September 2011

do|not

 

Wer weiß schon etwas darüber. Wer kann denn schon mit Sicherheit sagen, was hier eigentlich täglich um uns herum passiert, wer verantwortlich ist für das alles, wenn nicht wir selbst. Ich am wenigsten, du vielleicht noch ein wenig mehr, in deine Gedanken möcht ich mich schleichen, in deinen Kopf um zu verstehen, um irgendetwas zu verstehen, nur eine Kleinigkeit deiner Welt, während ich mich immer weiter verschließe, vor dir, vor allen anderen, vor mir selbst. Bleib wo du bist, komm keinen Schritt näher, wer weiß, was passieren würde, würdest du zu weit gehen. Stell mir keine Fragen, ich tu es auch nicht. Weil ich die Antworten kenne und nicht hören will.